Die Tickets für die zunächst abgesagte und nach öffentlichem Protest doch wieder ins Programm genommene Gedenkveranstaltung zum Auftakt der Bayreuther Festspiele sollen bald erhältlich sein. Das kündigte Katharina Wagner in der „Süddeutschen Zeitung“ an. Allerdings werden die Karten nicht zum Kauf angeboten. „Es ist eine Gedenkveranstaltung. Ich finde, dafür sollte niemand bezahlen müssen“, sagte Wagner. Spenden für die Karte seien „herzlich willkommen, und je großzügiger, desto besser“.
Unter dem Titel „Verstummte Stimmen“ sollte Michel Friedman am 26. Juli zum 150. Jubiläum der Festspiele über Wagners Antisemitismus und die Verstrickungen seiner Erben mit dem Nazi-Regime sprechen sowie an ermordete jüdische Musiker erinnern. Wegen angeblicher „Sicherheitsbedenken“ wurde die Veranstaltung gestrichen. Friedman sprach in der Folge von einem Offenbarungseid: Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen zu streichen, das sei „in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord“, sagte er der SZ.
„Wir hatten nicht nur in einem Aspekt ein Kommunikationsdefizit. Das alles tut mir von Herzen leid“, sagte Katharina Wagner nun. Sie trage als Leiterin dieser Festspiele die Verantwortung. „Das habe ich Herrn Friedman gesagt, und bin sehr dankbar, dass er diese Entschuldigung angenommen hat.“ Die Veranstaltung solle nun wie geplant stattfinden, nur ohne den ursprünglich vorgesehenen Dirigenten Christian Thielemann. Von Friedman erwarte sie nun eine sehr kritische Rede. „Wenn ich es nur cosy haben wollte, hätte ich ihn nicht eingeladen.“ Sie selbst habe sich spätestens seit der Pubertät mit dem belasteten Erbe Richard Wagners befasst, etwa mit dessen antisemitischem Traktat „Das Judenthum in der Musik“. „Wenn man Teil dieser Familie ist, ist es unumgänglich, das zu lesen“, sagte Wagner. „Auch wenn`s ekelhaft ist.“



