Deutsche Jugendliche haben heute deutlich später Sex als vor fünf Jahren.
Das zeigt die neue Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BiÖG), über die die Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. „In der letzten Erhebung vor fünf Jahren haben die Befragten größtenteils angegeben, den ersten Sex mit 17 Jahren erlebt zu haben, heute passiert das erste Mal überwiegend erst mit 19 Jahren“, sagte Studienleiterin Sara Scharmanski der „Zeit“.
„Der große Sprung in so kurzer Zeit hat uns überrascht“. Bislang habe es den Trend zu späteren sexuellen Aktivitäten zudem nur bei Mädchen gegeben; nun bei beiden Geschlechtern. Auch der Zeitpunkt des ersten Kusses verschiebt sich laut Studie. Hatten 2019 noch 70 Prozent der 15-Jährigen diese Erfahrung gemacht, sind es heute nur noch 51 Prozent.
Als Hauptgründe machen die Experten des BiÖG den „Rückgang realer sozialer Kontakte“ durch den erhöhten Konsum Sozialer Medien aus. „Jugendliche verbringen heute deutlich weniger Zeit mit Freunden. Damit fehlen ihnen Gelegenheiten, sich näherzukommen, zu flirten, Beziehungen zu knüpfen. Dies führt auch zu späterem Sex“, sagte Scharmanski. Zudem finde das Leben junger Menschen heute strukturierter statt, unter anderem durch die Verlängerung der Schule bis in den Nachmittag. „Einfach nur mit der Clique rumzuhängen, das ist nicht mehr“, sagte die Psychologin.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Das Verhütungsverhalten ist im Vergleich zur Studie 2019 noch einmal besser geworden. „Im internationalen Vergleich sind das hervorragende Werte, die zeigen, dass die Sexualaufklärung hierzulande sehr gut funktioniert“, sagte Scharmanski. Nur noch fünf Prozent der Jugendlichen kümmern sich beim ersten Sex nicht um einen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) erhebt die Studie zur Jugendsexualität zum zehnten Mal.



