Die israelische Regierung hat am Sonntag den Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich während des Ersten Weltkrieges offiziell anerkannt. Grundlage ist ein Resolutionsentwurf von Außenminister Gideon Sa`ar, den er Ende vergangener Woche eingebracht hatte.
„Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun“, sagte Sa`ar nach der Abstimmung. Der Entwurf soll nun dem Plenum der Knesset zur Abstimmung vorgelegt werden.
Bereits am Donnerstag hatte Sa`ar mitgeteilt: „Die Anerkennung des Völkermords am armenischen Volk in den letzten Jahren des Osmanischen Reiches ist sowohl eine moralische als auch eine historische Pflicht. Wir müssen zudem jede Leugnung, Verharmlosung oder Verfälschung der historischen Wahrheit entschieden verurteilen.“
Die Türkei weist seit jeher die Darstellung zurück, dass die Massaker, Inhaftierungen und Zwangsdeportationen von Armeniern einen Völkermord darstellten. Israel hatte eine offizielle Anerkennung aus diplomatischen Gründen lange vermieden.
Die Auseinandersetzung um die Anerkennung des Genozids als historische Tatsache belastet bis heute die Beziehungen zwischen der Türkei einerseits und Armenien sowie zahlreichen westlichen Staaten andererseits. Seit 1965 haben mehrere Staaten die Deportationen und Massaker der Jahre 1915 bis 1917 offiziell als Genozid entsprechend der UN-Völkermordkonvention von 1948 anerkannt. Auch der Heilige Stuhl und das Europäische Parlament haben den Völkermord offiziell anerkannt.



