Finnlands Präsident Alexander Stubb hat Zweifel daran geäußert, dass die ukrainischen Angriffe auf die russische Öl- und Wirtschaftsinfrastruktur den russischen Diktator zum Einlenken bewegen könnten. „Ich glaube nicht, dass Russland diesen Krieg wegen eines wirtschaftlichen Abschwungs beenden wird“, sagte Stubb der „Bild am Sonntag“.
Er begründete dies unter anderem mit den Erfahrungen der Menschen in der Sowjetunion: „Man sollte niemals unterschätzen, wie viel wirtschaftliche Härte die Russen ertragen können“, so der finnische Präsident. Weder die Inflation, noch die Bankenkrise oder das Zinsniveau würden den Krieg beenden – ebenso wenig die hohen Verluste russischer Soldaten.
„Aber was das Fass zum Überlaufen bringen könnte, wäre, wenn sie das Gefühl bekommen, dass das derzeitige Regime bedroht ist“, sagte Stubb. Russland habe Geduld und Durchhaltevermögen. Russland müsse also zu dem Schluss kommen, dass es – wie auch immer es seinen eigenen Sieg definiere – für das Regime keinen Vorteil mehr bringe, diesen Krieg fortzusetzen. Bereits jetzt befinde sich der Kreml „in einer unangenehmen Lage“.
Den Moskau-Besuch von CIA-Chef John Ratcliffe begrüßte Stubb ausdrücklich: „Ich finde das gut. Wirklich. Ich glaube, dass es einen Dialog geben muss.“ Es sei auch richtig, dass Amerikaner und Russen „in unterschiedlichen Formaten“ in Kontakt seien. „Ich hoffe, dass das amerikanische Militär mit dem russischen Militär ebenfalls im Gespräch ist“, so der finnische Präsident weiter.
Trotz Russlands hybrider Angriffe sollte Europa den Kontakt zum Kreml suchen. Er glaube, jemand in Europa müsse den Dialog mit Russland wieder aufnehmen, um zu verstehen, was dort vor sich geht. „Wir müssen auf politischer Ebene miteinander sprechen“, sagte Stubb. Seine „große Sorge bei diesem derzeitigen Schweigen gegenüber Russland ist, dass dort Illusionen darüber entstehen“, was in Europa passiere. Sprich: Moskau könnte die Entstehung neuer Bedrohungen annehmen, die in der Realität nicht existieren.



