DIW: Erbschaftsteuer-Anstieg zeigt wachsende Vermögensungleichheit

DIW: Erbschaftsteuer-Anstieg zeigt wachsende Vermögensungleichheit

DIW-Chef Marcel Fratzscher sieht im deutlichen Anstieg der Erbschaftsteuer ein Zeichen für die wachsende Vermögensungleichheit und den Reformbedarf bei der Steuer.

Der deutliche Anstieg der Steuereinnahmen aus Erbschaften und Schenkungen unterstreiche sowohl die großen und steigenden Vermögen der Babyboomer-Generation als auch die in Deutschland ungewöhnlich hohe Vermögensungleichheit, sagte Fratzscher der „Rheinischen Post“. Dies sei relevant auch für die gegenwärtige Debatte um die Rentenreform, bei der immer mehr von Jung zu Alt umverteilt werde, anstatt die großen Vermögen und Einkommen der Babyboomer stärker heranzuziehen, so der Ökonom.

Die Tatsache, dass im vergangenen Jahr knapp 500 Milliarden Euro verschenkt und vererbt wurden, jedoch nur vier Prozent davon als Steuern eingenommen wurden, unterstreiche, wie gering Vermögen und insbesondere Erbschaften und Schenkungen in Deutschland besteuert würden, so der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Es sei „schlichtweg nicht vermittelbar“, dass Einkommen aus Arbeit in Deutschland mit bis zu 45 Prozent und der meiste Konsum mit 19 Prozent besteuert werden, Erbschaften und Schenkungen dagegen lediglich mit vier Prozent, sagte er.

Die geringe Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen widerspreche fundamental dem Leistungsprinzip, denn Erbschaften und Schenkungen seien leistungslose Einkommen, die prinzipiell nicht geringer besteuert werden sollten als Einkommen aus Arbeit.