Die Zahl der vorsorglichen Kriegsdienstverweigerungen in Deutschland ist nach der Einführung des neuen Wehrdienstes deutlich gestiegen. Bis Ende Mai wurden bereits 2.667 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben rechtskräftig anerkannt, wie eine Sprecherin auf Anfrage der „Süddeutschen Zeitung“ mitteilte. Damit dürfte die Zahl in diesem Jahr auf den höchsten Stand seit 2011 steigen.
Im gesamten Jahr 2025 wurden 2.830 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung anerkannt, ein Wert, der jetzt schon im ersten Halbjahr übertroffen werden dürfte. Mit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 fiel auch schlagartig die Zahl der Verweigerungen: Von 87.590 (2010) über 5.177 (2011) auf 370 (2012). Seit dem Aufkommen der Debatte um einen neuen Wehrdienst steigen die Zahlen wieder spürbar an.
Im Zuge der Debatte um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands steigt zugleich – auf niedrigem Niveau – die Zahl von früheren Zivildienstleistenden, die ihre Kriegsdienstverweigerung widerrufen. Seit dem Jahr 2022, dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, stieg die Zahl von 487 (2022) auf 781 im vergangenen Jahr. Bis Mai des laufenden Jahres haben bereits weitere 357 Bürger ihren Widerruf erklärt. Diese Personen würden dann neu „in den Datenbestand der Gruppe der 18- bis 60-jährigen Wehrpflichtigen aufgenommen“, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums der „Süddeutschen Zeitung“. Ungediente könnten sich dann in Reserveübungen zum Soldaten ausbilden lassen und danach im Heimatschutz eingesetzt werden.



