Ramelow fordert intensivere Holocaust-Erinnerungskultur

Ramelow fordert intensivere Holocaust-Erinnerungskultur

Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow sieht die Ursache für Antisemitismus in der Linken wie auch außerhalb der Partei in der nachlassenden Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus. „Wenn 40 Prozent unserer Bevölkerung mit dem Begriff Auschwitz nichts mehr anfangen können, dann ist etwas ins Rutschen geraten“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ mit Blick auf die Einsicht der Nachkriegsgeneration, dass der Staat Israel auch eine Folge des Holocaust ist.

„Ein Teil der jungen Leute übernimmt dabei sogar Argumente der arabischen Seite und sagt: Dann sind wir ja schuld, dass es den Palästinensern so schlecht geht.“ Wer dann kein Wort mehr zur Hamas und zur Hisbollah verliere, sei völlig falsch unterwegs. „Da fehlt es auch an Wissen – etwa darüber, wie Hamas und Hisbollah mit dem Thema Gleichberechtigung von Männern und Frauen umgehen. Sie verkörpern eine sehr autoritäre Form von religiösem Fanatismus. Und das Autoritäre wird oft völlig ausgeblendet.“

Ramelow sagte, dass das Antisemitismus-Problem keines sei, das seine Partei allein betreffe. „Die Bewertung der Lage im Nahen Osten und die Entstehungsgeschichte Israels sind mittlerweile ein Generationsthema.“ Angesichts des für Juni geplanten Parteitags in Potsdam meinte er: „Wir sollten uns in aller inhaltlichen Klarheit mit dem Thema auseinandersetzen.“ Er hoffe darauf, dass es gelinge, einen Prozess des Nachdenkens einzuleiten – und zwar darüber, wofür die emanzipatorische Linke stehe. „Das können wir aber nicht loslösen von der real existierenden Judenfeindlichkeit in Deutschland. Das wäre ein schwerer Fehler.“ Er selbst habe sich im Übrigen „entschieden, diesen Konflikt auszuhalten. Und ihn auszuhalten heißt, ihn mitzugestalten“.

Ramelow hatte sich mehrfach gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen gewandt und war dafür intern auch mehrfach angegriffen worden.