Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) fordert eine bessere Finanzierung der Verpflegung in Pflegeheimen. „Frische und ausgewogene Ernährung ist ein wesentlicher Bestandteil guter Pflege und darf kein Sparposten sein“, sagte VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben).
Der Verband, der die Interessen von mehr als 1.800 Mitgliedsunternehmen der ambulanten und stationären Alten- und Behindertenhilfe vertritt, fordert deshalb „eine realistische Refinanzierung der Verpflegungskosten im Rahmen der Pflegesatzverhandlungen“. Hintergrund seien die gestiegenen Lebensmittel-, Energie- und Personalkosten. Nach Angaben des Verbands entfallen auf Lebensmittel je nach Bundesland „gerade einmal 6,50 bis 7,50 Euro pro Bewohner und Tag“. Davon müssten sämtliche Mahlzeiten und Getränke finanziert werden.
Nach Angaben des VDAB werden deshalb heute rund drei Viertel der Pflegeeinrichtungen zumindest beim Mittagessen von externen Anbietern beliefert, weil frisches Kochen in der eigenen Küche mit den refinanzierten Kostenpauschalen häufig nicht wirtschaftlich sei. Knieling verwies darauf, dass Pflegebedürftige inzwischen durchschnittlich rund 3.500 Euro Eigenanteil pro Monat für einen Heimplatz zahlten. „Beim Blick auf diese Summe würde niemand auf die Idee kommen, dass Geld ein limitierender Faktor bei der Essensversorgung sein könnte. Sieht man allerdings genauer hin, ergibt sich ein anderes Bild. Der Eigenanteil beinhaltet insbesondere die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten. Auf Lebensmittel entfallen davon je nach Bundesland gerade einmal 6,50 bis 7,50 Euro pro Bewohner und Tag. Mehr können Einrichtungen in den Verhandlungen mit den Kostenträgern in der Regel nicht durchsetzen. Davon müssen sämtliche Mahlzeiten und Getränke finanziert werden.“
Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler (CSU), betont ebenfalls die Bedeutung einer guten Ernährung in Pflegeeinrichtungen. „Neben Bewegung und sozialer Teilhabe ist eine ausgewogene Ernährung eine wesentliche Voraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Selbstständigkeit gerade auch in einer Pflegeeinrichtung. Mahlzeiten sind dabei weit mehr als die Versorgung mit Nährstoffen. Sie schaffen Gemeinschaft, vermitteln Genuss und strukturieren den Alltag. Deshalb sollte jede Pflegeeinrichtung ein gesundes und attraktives Speisen- und Getränkeangebot sicherstellen.“, sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben). Zugleich sprach sich Staffler gegen detaillierte Vorgaben durch die Pflegeversicherung aus. „Wie dieses Angebot gestaltet wird, sollte jedoch in der Verantwortung der Einrichtung liegen – ob mit Großküche, eigener Küche, einem Koch oder unter Einbeziehung der Bewohner. Eine detaillierte Vorgabe durch die Pflegeversicherung ist nicht zielführend, da ich nicht möchte, dass die Pflegeversicherung diktiert, wer kocht und was auf der Speisekarte steht. Unterschiedliche Verpflegungskonzepte fördern Qualität und Vielfalt. Und das ermöglicht doch auch den Bewohnerinnen und Bewohnern, eine Einrichtung zu wählen, die ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen entspricht.“
Die Verpflegung in Pflegeheimen wird grundsätzlich nicht von der Pflegeversicherung finanziert. Die Kosten tragen die Bewohner selbst. Wie hoch die Budgets für Lebensmittel ausfallen, wird im Rahmen der Pflegesatzverhandlungen zwischen den Einrichtungen sowie den Pflegekassen und Sozialhilfeträgern vereinbart. Nach Angaben des VDAB reichen die vereinbarten Beträge angesichts gestiegener Lebensmittelpreise allerdings vielerorts nicht mehr aus.



