Die frühere SPD-Vorsitzende Saskia Esken wirft ihrer Partei einen unfairen Umgang mit Frauen an der Spitze vor. Nach der Bundestagswahl 2025 habe es in der Öffentlichkeit und intern in der Partei die Neigung gegeben, sie für den Wahlausgang verantwortlich zu machen, und zwar so, dass ihre Karriere beendet sein solle und die von SPD-Co-Chef Lars Klingbeil eben nicht, sagte Esken dem Podcast „Amann unframed“ der Funke-Mediengruppe.
Mit Klingbeil habe sie sich intern immer auf Augenhöhe gesehen, aber nach draußen sei es immer schwierig gewesen. Im kleinen Kreis, der die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz (SPD) vorangetrieben habe, sei sie die einzige Frau gewesen.
Die Partei habe schon ihre Vorgängerin schlecht behandelt. Die Parteiseele habe sehr darunter gelitten, wie Andrea Nahles an der Spitze zerstört worden sei, sagte Esken. Strukturen gegen solche Mechanismen müssten früher greifen, nicht erst dann, wenn die Frau unter Beschuss stehe. An die SPD gerichtet plädiert sie dafür, aus der Vergangenheit zu lernen und zu sagen: „Wir lassen nicht noch mal eine Frau in unserer Spitze kaputt machen.“
Die SPD war bei der Bundestagswahl im Februar 2025 auf 16,4 Prozent gekommen. Esken trat im Juni 2025 daraufhin nicht erneut für den Parteivorsitz an. Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas will die SPD ihre Führung neu wählen. Klingbeil ist derzeit Parteichef, Vizekanzler und Finanzminister.



