36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung bestehen zwischen Ost- und Westdeutschland weiter erhebliche Einkommensunterschiede, die Lücke ist zuletzt sogar wieder größer geworden. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten.
Im vergangenen Jahr hatten Haushalte in den fünf neuen Bundesländern und Berlin demnach im Durchschnitt 7.247 Euro netto weniger zur Verfügung als im Westen (Ost: 42.259 Euro, West: 49.506 Euro). In der Statistik sind alle Einkommensarten aller Bürger inbegriffen, neben Lohneinkommen zum Beispiel auch Pensionen oder Miet- und Kapitaleinkommen, die im Westen meist höher sind als im Osten. Abgezogen werden Steuern, Sozialbeiträge und regelmäßige Geldtransfers zwischen privaten Haushalten.
Die Zahlen hatte die Partei BSW – die seit dem 1. Oktober „Bündnis für Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“ heißt – bei der Statistik-Behörde erfragt. 2024 hatten ostdeutsche Haushalte demnach 7.080 Euro netto weniger zur Verfügung, 2023 lag die Lücke bei 6.979 Euro und 2022 bei 7.027 Euro. „Dass die Einkommensunterschiede zwischen Ost und West wieder größer werden, ist ein Armutszeugnis für die Politik zum Einheitstag. Über 7.000 Euro weniger Einkommen im Jahr für ostdeutsche Haushalte sind keine kleine Differenz, sondern eine bittere Bilanz nach 36 Jahren“, sagte BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Von einer Einheit der Lebensverhältnisse könne gar keine Rede sein.
Nach den Daten lag das durchschnittliche verfügbare Haushalts-Nettoeinkommen im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt mit 38.284 Euro am niedrigsten, am unteren Ende der Skala folgt Sachsen mit 39.500 Euro. Auf dem drittletzten Platz liegt mit Bremen (39.955 Euro) allerdings schon ein westdeutsches Bundesland, noch hinter Mecklenburg-Vorpommern (40.818 Euro), Thüringen (42.959 Euro), Brandenburg (45.569 Euro) und Berlin (45.646 Euro). Am besten schneidet Bayern mit 53.067 Euro durchschnittlichem Haushalts-Netto ab, gefolgt von Baden-Württemberg mit 51.923 Euro, Hessen (49.538 Euro), Rheinland-Pfalz (48.813 Euro) und Nordrhein-Westfalen (48.455 Euro).
Der Abstand zwischen den Ländern mit dem höchsten und dem niedrigsten Haushaltsnettoeinkommen (Bayern und Sachsen-Anhalt) beträgt immerhin 14.783 Euro. „Das Ergebnis von 24 Jahren CDU-geführter Landesregierung: Sachsen-Anhalt ist das Armenhaus der Republik“, sagte der Vorsitzende der BSW-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Sogar unter den ostdeutschen Bundesländern sei Sachsen-Anhalt beim Einkommen weit abgeschlagen. Neue Mehrheiten im Landtag müssten die desaströse Wirtschafts- und Energiepolitik verändern, ansonsten drohe „der Ruin der Industrie in Sachsen-Anhalt und der Wegfall tausender gut bezahlter Jobs.“



