Der Vorstand von Daimler Truck, Achim Puchert, hält eine Veränderung der CO2-Regulierung der Europäischen Union für Lkw-Hersteller für angemessen. „Wir stellen die Ziele nicht infrage. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und in Fahrzeuge investiert. Aber die Infrastruktur entwickelt sich deutlich langsamer als angekündigt“, sagte Puchert der „Welt am Sonntag“. Deshalb plädiere er dafür, die regulatorischen Anforderungen stärker an den tatsächlichen Ausbau der Infrastruktur zu koppeln. Wenn die Voraussetzungen nicht geschaffen würden, sei es nicht fair, allein die Hersteller für das Verfehlen der Ziele verantwortlich zu machen. Es drohten hohe Strafzahlungen, die die Investitionsfähigkeit des Lkw-Herstellers beeinträchtigen könnten.
Es liege nicht an den Unternehmen, dass Elektro-Lkw in Europa bislang nur niedrige Marktanteile erzielten, argumentierte Puchert. „Die Fahrzeuge sind verfügbar. Wir haben ein breites Elektroportfolio, unsere Wettbewerber ebenfalls. Das Problem ist woanders: bei der Verfügbarkeit der Infrastruktur und Leistungsfähigkeit des Stromnetzes sowie wettbewerbsfähigen Preisen“, sagte er. In Europa gebe es zu wenige Ladepunkte für große Nutzfahrzeuge. Zudem sei der Strompreis zu hoch, um einen klaren Kostenvorteil gegenüber Diesel-Antrieben zu erreichen. „Erst wenn Infrastruktur und Betriebskosten stimmen, entsteht für viele Kunden ein überzeugender Business Case“, sagte der Chef der Marke Mercedes-Benz Trucks.
Puchert verwies auf den hohen Anteil von E-Lkw in China. Das Land verfolge einen deutlich ganzheitlicheren Ansatz: „Dort arbeiten Politik, Infrastrukturbetreiber und Industrie enger zusammen. Die Ladeinfrastruktur wird gezielt entlang der wichtigsten Transportachsen aufgebaut. Europa hinkt bei diesem Thema noch hinterher.“



