Breites Einsetzen nach Todesfahrt beim Berliner CSD

Breites Einsetzen nach Todesfahrt beim Berliner CSD

Nach der Todesfahrt beim Berliner CSD hat die Politik in der Hauptstadt und darüber hinaus mit Entsetzen reagiert.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach in einer ersten Stellungnahme von einer „abscheulichen Tat“. Hunderttausende Menschen aus aller Welt hätten friedlich beim Christopher Street Day gefeiert, schrieb er beim Kurznachrichtendienst X. „Sie wollten, dass wir gut und tolerant miteinander umgehen. Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft.“ Merz versprach zügige Aufklärung. „Wir sind offen und freiheitsliebend – und das werden wir auch bewahren und verteidigen. Die Tat wird aufgeklärt und mit aller Härte verfolgt.“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sich bereits in der Nacht zu Wort gemeldet. „Diese feige, abscheuliche Attacke auf friedlich feiernde Menschen erschüttert mich zutiefst“, sagte er. „Wir werden alles daransetzen, diese schreckliche Tat und ihre Hintergründe schnell aufzuklären und zu ahnden.“ Es wird erwartet, dass Dobrindt sich im Laufe des Tages am Tatort ein Bild von der Lage machen wird.

CSU-Chef Markus Söder sprach unterdessen von einem „feigen Anschlag“ auf den Berliner CSD. „Es macht fassungslos, dass friedlich feiernde Menschen angegriffen, verletzt und sogar aus dem Leben gerissen werden“, schrieb er bei X. „Wir werden entschlossen handeln, um unsere Freiheit zu schützen. Wir werden uns dem Terror nicht beugen. Wir hoffen, dass der Täter nun rasch gefunden wird.“

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nannte die Attacke derweil einen „abscheulichen Angriff auf unsere Freiheit“ und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sprach offen von einem „Terroranschlag“, bei dem es sich „um einen Angriff auf das freiheitliche Leben in Deutschland insgesamt“ handele. „Terrorismus, egal aus welcher Richtung, müssen wir mit maximaler Härte bekämpfen.“

Linken-Chefin Ines Schwerdtner zeigte sich ebenfalls erschüttert. „Dieser furchtbare Terroranschlag bestürzt mich zutiefst“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Montagsausgabe). „Gerade an einem Tag, wo wir gemeinsam tanzen und die Freiheit feiern, ist das ein Angriff auf uns alle. Auf alle, die sich für gleiche Rechte und ein selbstbestimmtes Leben einsetzen.“ Dagegen müssten alle zusammenstehen. „Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft.“

Auch aus der EU kamen bereits Beileidsbekundungen. „Der CSD steht für Freiheit, Würde und Gleichberechtigung – die grundlegenden Werte der EU“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Jeder Mensch solle ohne Angst leben, lieben und für seine Rechte einstehen können. „Hass und Gewalt haben keinen Platz in unseren Gesellschaften. Wir stehen geschlossen an der Seite der LGBTQI+-Community.“

Die Ermittler in Berlin gehen davon aus, dass der Täter ein Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ sein soll. Ob der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernimmt, ist noch unklar. Er soll sich aber bereits mit den örtlichen Behörden in Verbindung gesetzt haben. Nach dem mutmaßlichen Täter wird mittlerweile europaweit gesucht. Das BKA soll die Behörden in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz und Österreich um Mithilfe ersucht haben, berichtet „Focus Online“.

Der 21-jährige Abdul B. soll am Samstag gegen 22 Uhr mit einem Kleintransporter in den Berliner Tiergarten gerast sein, wo CSD-Teilnehmer gerade feierten. Dabei fuhr er schließlich gegen einen Baum und flüchtete. Ob er einen Mittäter hatte, ist noch unklar. Die Behörden sprechen mittlerweile davon, dass „eine oder mehrere Personen“ sich aus dem Fahrzeug entfernt haben sollen. Des Weiteren sollen mehrere Personen „durch Stichwerkzeuge verletzt“ worden sein.

Die Veranstaltung war nach der Tat abgebrochen worden, über eine Stunde lang war aber öffentlich kaum bekannt, was passiert war – offensichtlich sollte damit Panik vermieden werden. Nach letzten Angaben waren bei der Tat am Samstagabend eine Frau getötet und 16 weitere verletzt worden.