Bei einem Drohnenangriff der sudanesischen Armee auf eine traditionelle Gerichtsverhandlung im Norden der Region Darfur sind nach Angaben einer örtlichen Menschenrechtsorganisation 35 Menschen ums Leben gekommen.
Bei dem Angriff am Sonntagnachmittag wurden zudem Dutzende weitere Personen verletzt. Die „Emergency Lawyers Group“, die Gewalt gegen Zivilisten dokumentiert, erklärte am Montag, der Angriff habe sich im Dorf Ghara al-Zawiya ereignet, das unter Kontrolle der paramilitärischen Schnellen Eingreiftruppe (RSF) steht. Die Armee äußerte sich bislang nicht dazu.
Die RSF kontrolliert weite Teile Darfurs im Westen des Landes. Beide Konfliktparteien führen seit drei Jahren einen Bürgerkrieg, der das Land verwüstet, zehntausende Todesopfer gefordert und Millionen Menschen in die Flucht getrieben hat.
Laut Augenzeugen sei die Verhandlung unter einem Baum unter Beteiligung lokaler Gemeindevorsteher abgehalten worden. Bei dem Angriff kamen demnach auch vier Stammesführer und zwei RSF-Kommandeure ums Leben. Die private Nachrichtenwebsite Darfur 24 zitierte einen Anwohner, der berichtete, dass zwei Drohnen über der Stadt kreisten, „bevor sie mehr als vier Raketen abfeuerten“.
Die „Emergency Lawyers Group“ fordert eine Untersuchung des Vorfalls und verurteilt den Angriff auf das Gericht. Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur seien eine „schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts“, hieß es. Zudem wies die Gruppe darauf hin, dass Drohnen zunehmend eingesetzt würden, „um zivile Gebiete und Menschenansammlungen anzugreifen, was die Gefahren für die Bevölkerung weiter erhöht“.
Auch die RSF steht seit Jahren im Verdacht, Kriegsverbrechen begangen zu haben, darunter Drohnenangriffe auf Zivilisten. Eine UN-Untersuchungsmission hatte die Belagerung und den Angriff der Miliz auf die Stadt al-Fasher im vergangenen Jahr als mit „Merkmalen eines Völkermords“ behaftet bezeichnet. Die RSF weist die Vorwürfe zurück.



