Die Verlegerin des Carlsen-Verlages, Sandra Harzer-Kux, bittet Leser, sich keine Geschichten von ihren Lieblingsbüchern mittels künstlicher Intelligenz (KI) generieren zu lassen.
„Prompten Sie Ihre Lieblingsfiguren bitte nicht mit einem Bot“, sagte Sandra Harzer-Kux der „Zeit“. Sie habe Verständnis für Eltern, die zum privaten Spaß prompten, und mache ihnen auch keinen Vorwurf. Doch vielen sei gar nicht klar, dass sie damit Urheberrechte verletzen könnten und dass die Kreativen hinter den Büchern „bestohlen“ würden.
Der Carlsen-Verlag wirft der US-Firma Open AI vor, dass sie für das Training ihrer KI das „Neinhorn“ verwendet habe. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Chatbot mit unseren Werken trainiert wurde, mit den Illustrationen und mit den Texten“, sagte Harzer-Kux. Der Verlag suche regelmäßig aktiv nach Urheberrechtsverletzungen, auch indem er KI nach Geschichten frage. Man habe etwa ChatGPT gebeten, eine Geschichte vom „Neinhorn“ zu erzählen. Die Antworten seien dem Original „sehr, sehr ähnlich“ gewesen: Das KI-generierte Cover sei im Stil der Illustrationen des Ursprungswerks, selbst die Autorennamen und der Verlag hätten darauf gestamdem. „Es ist erschreckend, wie präzise die Illustrationen geworden sind“, sagte Harzer-Kux. „Insgesamt schädigt das unsere gesamte Branche.“
Am vergangenen Mittwoch hatte der Kinder- und Jugendbuchverlag mitgeteilt, gemeinsam mit Autor Marc-Uwe Kling und der Illustratorin Astrid Henn eine Klage gegen OpenAI beim Landgericht München eingereicht zu haben. Harzer-Kux sagte, dass man die KI-Firma vorher schriftlich um Auskunft und Unterlassung gebeten habe. „Es gab auch eine Antwort, die aber in unseren Augen überhaupt nicht zufriedenstellend war“, sagte die Carlsen-Verlegerin.



