BMW stellt sich hinter Glock

Wie wird Timo Glock auf die Verwarnung für den Crash mit Nico Müller am Nürburgring reagieren? Diese Frage stellten sich die DTM-Fans am Sonntagabend. In Zandvoort schimpfte der BMW-Pilot nach der Qualifying-Disqualifikation über die Sportkommissare. Einen Tag später entschuldigte er sich für seinen verbalen Ausraster. Nach dem zweiten Nürburgring-Rennen platzte Glock erneut der Kragen: Der 35-Jährige fand harte und deutliche Worte für das Verhalten von Audi und Nico Müller. Als am Sonntag gegen 20 Uhr der Pressesprecher des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) verkündete, dass Glock für das Auffahren in Müllers Audi verwarnt wurde, warteten viele auf die Reaktion des ehemaligen Formel-1-Fahrers. Doch diese blieb überraschenderweise aus. "Ich nehme die Entscheidung zur Kenntnis. Meine grundsätzliche Meinung zum Sonntagrennen auf dem Nürburgring und den Spielchen von Audi habe ich bereits geäußert. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen", sagt Glock auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. Was war passiert? Glock krachte in das Heck des Audi, der dabei schwer beschädigt wurde. Müller steuerte aber erst zwei Runden später mit einem Plattfuß die Box an und musste das Rennen aufgrund der Beschädigung beenden. Die Vermutung, dass die Ingolstädter eine Safety-Car-Phase provozieren und Titelanwärter Mattias Ekström dadurch weiter nach vorne bringen wollten, stand im Raum. Bei Audi weist man die Vorwürfe von sich. Der Schweizer sagt, er hätte das Auto einfach auf der Strecke abgestellt, wenn er das vorgehabt hätte. Teamchef Hans-Jürgen Abt verweist auf das Funkverbot, deshalb sei Müller nicht sofort an die Box gekommen. Keine Strafe für Müller Glock kochte vor Wut und beschuldigte Müller, absichtlich früher gebremst zu haben, und Audi, das Rennen zu manipulieren. Auch Rennsieger Robert Wickens sprach von unsauberen Methoden im Lager der vier Ringe. Über eine Stunde lang berieten die Sportkommissare, wer bei der Kollision zwischen Glock und Müller die Schuld trägt. Die Entscheidungsfindung gestaltete sich nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' als sehr schwierig. Denn: Audi-Fahrer Müller hat an mehreren Stellen früher gebremst als sonst üblich. Deshalb befanden die Schiedsrichter, dass der Schweizer eine Teilschuld am Unfall trägt. Allerdings hat Glock zu spät gebremst, und dabei gilt, wie im normalen Straßenverkehr: Wer zu spät bremst und auf den Vordermann auffährt, ist schuld. Dem BMW-Mann wurde zugutegehalten, dass Müller zu früh gebremst hat und Glock nicht damit rechnen konnte. Deshalb wurde der 35-Jährige "nur" verwarnt. Da es erst die zweite Verwarnung in der laufenden Saison für ihn ist, und er erst bei der dritten strafversetzt wird, ist die Verwarnung in den Augen der Kommissare angebracht.  Rückendeckung für Glock Müller hingegen kam straffrei davon: Er gab an, dass er eine Runde vor der Kollision die Kurve fast nicht erwischt hätte und deshalb noch etwas früher gebremst hat, um gut durchzukommen. Von seinem Arbeitgeber erhält Glock volle Rückendeckung. "Wir nehmen die Entscheidung (der Sportkommissare des DMSB; Anm. d. Red.) zur Kenntnis, haben eine klare Meinung zu der Situation und stehen hinter Timo", sagt BMW-Motorsport-Direktor Jens Marquardt. "Jetzt gilt es aber, nach vorne zu schauen und zu hoffen, dass sich im Sinne des Sports solche Situationen nicht mehr wiederholen." Eine Aussprache mit Müller ist in Glocks Augen überflüssig. "Was bringt mir das, wenn ich mich mit ihnen ausspreche - sie machen es ja doch immer wieder", sagt er. "Dann kann man es auch einer Wand erzählen." Am Red-Bull-Ring (23./24. September) treffen die Kontrahenten wieder aufeinander. Ob es dann wieder (verbal) zur Sache geht, wird sich zeigen. © Motorsport-Total.com

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